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Von Brücken und Mauern - Frauen diskutieren über 30 Jahre Deutsche Einheit

06.10.2020

30 Jahre Wiedervereinigung aus Frauenperspektive. Ein Thema, dass viel Anlass zum Nachdenken und Diskutieren bot. Wo sonst Kinder, Jugendliche und Familien ihre Freizeit verbringen, trafen sich am letzten Septemberwochenende mehr als 70 Frauen zum intensiven Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu dem Thema "Von Brücken und Mauern - 30 Jahre Wiedervereinigung aus Frauenperspektive".

 

Neben prominenten Gastrednerinnen wie der Brandenburger Landesministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, Ursula Nonnemacher und der Intendantin des Potsdamer Hans-Otto-Theaters, Bettina Jahnke, waren Frauen aller Generationen nach Joachimsthal am Werbellinsee gekommen, um sich gegenseitig Ihre Einheitsgeschichten zu erzählen.

 

Den Anfang machte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Barnim, Dr. Sylvia Setzkorn. Sie überbrachte das Grußwort des Landrats und konnte aus langjähriger Erfahrung auch über die Entwicklung der Gleichstellungarbeit in dem Brandenburger Landkreis berichten.

 

In Kleingruppengesprächen, bei zwei Lesungen und zwei Podiumsdiskussionen während der folgenden beiden Tage wurden die Brisanz der Wendezeit und die Zeit der Neuorientierung Anfang der 1990er Jahre beschrieben und ausführlich besprochen. Nach dem Aufbruch folgte besonders für Frauen in den neuen Bundesländern eine Phase großer Veränderungen, insbesondere beruflich. Waren sie bisher an Vollbeschäftigung und eine Vollzeitarbeit gewöhnt, so standen nicht selten ihre Berufsbilder und ihr Arbeitsplatz in Frage. Binnen kürzester Zeit wurden Millionen Menschen aus ihrem gewohnten Lebensrhythmus gerissen. Vor allem junge Frauen sahen häufig keine andere Möglichkeit, als ihre Heimat zu verlassen und in den alten Bundesländern einen Neuanfang zu wagen. 

 

Welche politische Brisanz der Zusammenschluss von DDR und BRD hatte, wurde von Dr. Schubert-Lehnhardt am Beispiel des Paragrafen 218 erläutert. An der bis heute andauernden Diskussion rund um die Thematik der Abtreibung wurden die Unterschiede der beiden Systeme besonders deutlich.

 

Im Verlaufe der Veranstaltung beschrieben die Referentinnen des Herbstforums den Umgang mit den Herausforderungen der Veränderungen auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Vom Generationendialog über die Erforschung der Perspektive von Zugewanderten und deren Blick auf die Wiedervereinigung bis hin zu Kunstprojekten in Auseinandersetzung mit der Deutschen Einheit reichte das Spektrum der Darstellungen.

 

In der Abschlussrunde am Sonntagmorgen wurde von allen Rednerinnen und Teilnehmerinnen betont, dass der Dialog nicht aufhören dürfe. Immer wieder müssten Möglichkeiten gefunden werden, sich auszutauschen und "nicht übereinander, sondern miteinander zu reden". Das werde noch immer zu wenig getan. 

 

Bereits seit 1992 hat sich die Frauenbrücke Ost-West dieses Ziel gesetzt. Wir bringen Frauen aus den alten und neuen Bundesländern miteinander ins Gespräch. Nicht nur in Jubiläumsjahren, sondern bis zu dreimal im Jahr bei überregionalen Konferenzen und den Treffen in den Regionalgruppen.

 

Für 2021 sind wieder zwei Foren geplant. Die Organisatorinnen hoffe, dass die Veranstaltungen trotz Corona stattfinden können. Das Jahresprogramm ist in Vorbereitung und soll Ende November 2020 erscheinen.

 

Foto: Plenum Herbstforum 2020